Vor den Toren der Stadt Bern

Nahe am Stadtzentrum, einen Steinwurf entfernt von der «Welle» des Hauptbahnhofs, liegt das Restaurant Veranda. Trotz zentraler Lage befindet sich hier eine ruhige Oase – ein autofreies Areal etwas versteckt von Uni-Gebäuden und hinter der wohnlichen Häuserzeile der Schanzeneck. Es ist ein Anwesen mit wechselvoller Geschichte.
1862 bis 1864 liess Seidenfabrikant Edouard Simon-Müller hier eine zweistöckige Villa samt Bedienstetenhaus und Park errichten – damals noch vor den Toren der Bundesstadt. Ein Ort mit repräsentativer Ausstrahlung, residierten hier doch anschliessend von1880 bis 1907 die französischen Botschafter.
1909 wurde die ursprüngliche Villa durch Architekt Alexander Béguin um einen seitlichen Anbau erweitert und um ein Stockwerk erhöht. Denn hier entstand nun eine Pension mit Kurbad, daneben wurde eine kleinere Villa gebaut. Doch gekurt wurde hier nicht lange. Bereits 1914 wurde das Parkhotel Favorite eröffnet, erneut erweitert durch einen Anbau für den Speisesaal mit grosser Fensterfront. Diese grosszügige Veranda war später die Inspiration für den Namen des heutigen Restaurants.
Doch dazwischen übernahm 1926 das Diakonissenhaus Bern das Anwesen für über 70 Jahre. Die Pension entwickelte sich zu einer privilegierten Adresse für das Wohnen im Alter. Die Diakonissen führten das spätere «Heim Favorite» als Altersheim bis 1998. 

Die neue Besitzerin setzte um die Jahrtausendwende dann andere Prioritäten. Im Hauptgebäude befinden sich neben dem Restaurant Veranda zehn Familienwohnungen. Im gelben Chalet sind eine Kindertagesstätte und ein Künstleratelier untergebracht. Die Villa daneben wird als Wohnhaus genutzt.
Der Umbau 2000/2001 erfolgte mit Respekt für die Grundstrukturen und mit natürlichen Baumaterialien. Historische Elemente wurden sichtbar und in modernes Design eingebettet. Die Haustechnik spart gezielt Energie: Eine Solaranlage auf dem Dach liefert Warmwasser, Regenwasser spült die Toiletten, die Kühlanlagen des Restaurants führen Wärme in den Boiler und die Lüftungsanlagen sind mit Wärmetauscher versehen.

 

Beachten Sie die Broschüre «Die Villa Favorite in Bern» – sie ist in der populären Reihe der Kunstführer der GSK (Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte) 2005 erschienen. Mit Beschreibung der Geschichte und der kunsthistorisch-architektonischen Entwicklung. Im Restaurant Veranda für Fr. 10.- erhältlich.

Villa eines Seidenfabrikanten 1864

Parkhotel 1914